Category Archives: Maria in Brasilien

Marias Brasilienbericht #6

Olinda – Wie schön!

So heisst der Ort, an dem ich jetzt bin. Ich wohne bei der Familie von Carolina, einer Brasilianerin, die ich in Hamburg kennengelernt habe. Sie wohnen in dem schönsten Haus der Stadt. Es ist weiss gekalkt. Die Türen und Fenster sind blau gestrichen und der ganze Fussboden besteht aus alten portugiesisch gemusterten Fliesen. Überall gibt es kleine gemütliche Ecken mit Krams von Indiokulturen und Indien. (nicht verwechseln, zweite hat die Mutter nämlich mal bereist). Das meiste hat auch Carolinas Mama gesammelt. Sie arbeitet mit Kulturen, die am Aussterben sind. Wie interessant! Sie hat sich besonders auf die Kultur des Maracatú spezialisiert, da die Eltern ihres Mannes noch von dieser Kultur abstammen. Sie sammelt Lieder, versucht Riten zu verstehen und fördert Feste und überhaupt die Kultur des Maracatú. Sie ist mit dieser Arbeit nicht alleine. Es ist hier sozusagen Trend unter den Künstlern, sich mit ihren Wurzeln zu beschäftigen. Bands musizieren mit altertümlichen Instrumenten und singen über ihre Geschichte. Der Maracatú ist die Kultur der Stämme auf den Zuckerrohrplantagen in Bahia. Eine schon vermischte Kultur: Hier arbeiteten Schwarze und indigene gefangene Gruppen zusammen. Sie hielten zusammen wie Familien, denn ihre eigenen waren oft auseinander gerissen worden. Hier entstand auch der Capoeiratanz, der ursprünglich zur Verteiligung gelernt wurde. Maracatú bezeichnet die Zeit des Karnevals, eine Ausnahmezeit des Rausches und der Feier. An den Tagen ziehen die ernannten Guerreiros (Krieger) der “Familie” aus, um in Kostümen und mit viel Musik eine Runde um die Plantagen zu drehen. Wenn sie dabei auf andere Krieger treffen kommt es zu einem gespielten Kampf, der aber mehr als Spiel gemeint ist. Heute war ich mit Katrin in Olinda, dem alten Dorfkern der Stadt. Hier sind alle Häuser bunt und es gibt unglaublich viele Ateliers. Die meisten Bilder zeigen die Farben des Karnevals, der bunten Häuserfassaden und die schönen Mädchen der Stadt. Man muss sich daran gewöhnen, dass man an jeder Strassenecke mit Oh linda! (Hey Schöne!) angesprochen wird, dass ist hier der Running Gag…ich kauf es ihnen einfach nicht ab, wo sie doch soviele schöne Brasilianerinnen haben, dass sie bei einem dunkelblonden Haar sich zu solchen Äusserungen hinreissen lassen :D . Es ist, als ob die ganze Kultur Brasiliens sich hierher verkrochen hat. Sonst haben wir immer viel Mainstream und alles immer ganz praktisch eingerichtet gesehen. Aber nie etwas schönes, was verträumtes, was künstlerisches. Hier dagegen ist VON ALLEDEM DREIMAL SOVIEL!Maracatú
Wir trafen schliesslich in Olinda auf eine Maracatúgruppe, oder besser gesagt eine Faschingsgruppe, die das nachgespielt hat. Alle trugen weite rot-grüne Kleidung aus Samt und einfachen Stoffen, verziert mit Goldbrokaten. Es gab ein König und eine Königin, sowie eine Trommlergruppe, die Krieger darstellten. Einer sang vor und schon befanden wir uns mitten in dem farbigsten Treiben: dam dam damm, zazazazazaza- echt super. Macht supergute Laune. Sie zogen die Strasse entlang, vorbei an Strassenverkäufern die Ketten aus Samen und Perlen, Taschen, Wasser, Coca Cola, gehäkelte Tischdecken, Ledersandalen, Armbänder, Olinda in Miniaturformat, Bilder und vieles mehr lauthals verkauften. Ich mag den Trubel sehr…ich mag nur nicht das angesprochene Subjekt sein, das kaufen soll ;) .Olinda!
Olinda ist wieder ein Ort, in den ich mich verliebt habe. Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen einen Eindruck von der Stadt auf dem Hügel vermitteln. Da liegt sie nämlich, wenn man ganz oben bei der Kathedrale steht, dann kann man die ganze Stadt wunderschön überblicken und dahinter das türkisfarbene Meer.

Marias Brasilienbericht #5

Ich bin in Natal. Das bedeutet Weihnachten. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn man am Eingang der Stadt den drei heiligen Koenigen und dem Stern von Bethlehem begegnet. Natal ist die Touristenstadt. Allerdings weniger der auslaendischen Touristen, nee, die sind alle in Rio. Hierher kommen die Brasilianer, um sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Es gibt ja so traumhaft schoene Straende hier. Wie man sich Brasilien so vorstellt, so ist es hier. Und noch schoener.
Meine beiden schoensten Erlebnisse hier:
Tauchen.
Mit der Touristenagentur Brasil-Verde kommt man zum Strand von Macarajú. Von dem etwa 40jaehrigen Guide gefuehrt, der sich einfach nur Gaúcho nennt, kommt man hier an einen Strand an dem es nur hellen feinen Sand gibt und Cocospalmen. Die Luft ist ganz salzig und die brennende Sonne spuehre ich gar nicht, weil der Wind so stark weht. Wir steigen in ein Motorboot und fahren mit ueber 80kmH zu einer Plattform im Meer. Ein Mordsvergnuegen, dasss ihr unbedingt mal ausprobieren muesst: die Wellen heben das Boot an und lassen es mit einem Platsch wieder fallen, so dass alle nass warden. Das kribbelt im Bauch! Ein kleines Maedel auf dem Boot meinte verwundert: Mama es regnet. Wir warden mit Taucherbrillen und Schnorcheln versehen. Es herrscht reges Treiben auf der Plattform, auf der sich ungefaehr 10 dunkelhaeutige Tauchlehrer und 40 Touristen befinden samt Kindern. Ich suche mir schnell eine Treppenstufe und ein paar kraeftige Zuege spaeter ist es still um mich. Ich setze meine Taucherbrille auf und versuche durch den Schnorchel zu atmen..was erstmal in einem Hustenanfall endet: Salzwasser aergs!
Ich schaue unter Wasser und staune: unter mir befindet sich ein riesiges rotes Korallenriff aus. Das Wasser ist ungefaehr 6 m tief, ein Meer aus weissen Sand liegt unter mir. Dann tauchen sie auf, die Fische. Erst ein Tigerentenfisch, gelb Schwarz gestreift. Dann grosse Blaue, welche die die Farbe ihrer Umgebung angenommen haben: durchsichtig, rot wie das Riff und beige wie der Sandboden. Ploetzlich fahre ich erschrocken zusammen (nein, kein Hai), ein Taucher mit Flasche taucht vor meinen Augen auf und formt mit Daumen und Zeigefinger ein O fuer OK. Dann verschwindet er. Der schoenste Fisch war wohl ein schwarzer mit kleinen weissen Punkten und gelben Flossen. Ganz begeistert und voellig verfroren klettere ich auf die Plattform zurueck. Kaum habe ich mich in mein Handtuch gewickelt stuerzt ein Tauchlehrer auf mich zu und labert mich zu: ob ich mit Flasche tauchen wolle. Ich weiss genau, dass der Spass nochmal 30 Euro kostet und lehne dankend ab. Er belabert mich weiter, dass wir uns doch gerade unter Wasser getroffen haetten und ich doch so toll tauch koennte…ach so, na dann, denke ich mir und hoere gar nicht zu…bis ich mitbekomme, was er von mir will. Es wuerde ihm eine Freue machen mit mir eine Runde zu tauchen, quasi um mir eine Freude zu machen. WAS!! Ich mit Flasche, aber nie gemacht, Angst. Ich will nicht, da fragt er mich nach meinem Namen. Ich nenne ihn, er schaut mich an und sagt: Los Maria, trau dich! Ein zaghaftes Nicken spaeter habe ich Taucherflossen an den Fuessen, eine Sauerstoff(f)lasche auf dem Ruecken und einem Schnorchel im Mund. Langsam atmen blaeute er mir ein, sonst verschluckst du dich. Ahhh. Was soll ich sagen? Ich musste mich nur mit dem Atmen beschaeftigen, er fuehrte mich und meinen Blick. Ein Schwarm blauen Fische kam auf uns zu. Wahnsinn. Zum Schluss knieten wir uns unter Wasser auf den Boden und machten Lockbewegungen mit den Haenden und im Nu waren wir von Tausend kleinen gelben Fische umschwaermt die wohl dachten es waere Fuetterung. Sie stupsten an meine Haende und umschwirrten uns so, dass das ganze Wasser in Bewegung war. Puh. Danach sass ich auf dem Deck und merkte erst beim Zweiten Rufen, dass es zurueck gehen sollt. Ich schwebte vor Glueck.
Chaipirinha.
Mit dem Bus bis Tapatinga, dann bis zum Kreisverkehr, die Strasse zum Strand runter das dritte Haus rechts…da wohnt Shírley. Eine 40jaehrige Brasilianerin mit ihrer Mutter und ihrer Schwester. Aber nur zum Wochenende, denn es ist ihr Ferienhaus am Strand. Ich werd richtig neidisch, als ich am Strand stehe und beobachte wie die Wellen sich an den vorgelagerten Steinriffen brechen. Hier ein Haeuschen haben, ohhh.
Auf dem Hof ihres Hauses angekommen und die Badeklamotten zum trocknen aufgehangen bekommen wir eine eisgekuehlte Cerveja (Bier) in die Hand gedrueckt. Neben uns befinden sich hier noch 5 Maedels in unserem Alter und 5 Jungs allen Alters. Das ist mein Cousin, Nichte, Onkel, Kumpel, Arbeitskollege…alle sind braungebrannt, wenn das bei der dunklen Haut noch geht. Alle wirken so, als wuerden sie viel feiern und wissen wo das Leben abgeht. Einer traegt ein Armband aus Krokodilhaut: Klar ist es verboten sie zu toeten, meint er auf eine Nachfrage hin, aber hey, das sieht doch keiner. Hier hinten im Sumpf gibt es auch welche. Auf meinen erschrockenen Blick hin meint er belustigt: die kommen aber nicht auf die Terrasse. Na wie beruhigend. Dem Hof angeschlossen befindet sich ein grossen Sumpf mit vielen unbekannten Planzen, umringt ist er von dutzenden Cocospalmen: WOAH. Das Armband bekomme ich fuer ein Foto geliehen, ein Zahn von dem Aligator ist auch dran. Geschossen hat er ihn aber nicht selber. Pah, zugetraut haette ich es dem Mittvierziger, der eine grossen verspiegelte Sonnenbrille traegt und jetzt um die Mittagszeit mindestens schon 3 kurze Pitú und reichlich Bier getrunken hat. Es wird ein lustiger Nachmittag. Ich stele meine Chaipimachkuenste unter Beweis und zur Belohnung zeigt einer der Jugendlichen, wie er auf die naechstgelegene Cocospalme mit blossen Fuessen klettert. Wer´s nicht glaubt, ich hab´s gefilmt !!! Abends tanzen wir Forró im Garten oder versuchen es zumindest, dieser verdammte Rhythmus und meine deutschen Hueften wollen sich nicht vertragen. Shírley will mit uns unbedingt noch Hot Dog (Cachorro quente) essen gehen. Es ist dunkel und es gibt nur eine Saufbude in dem Dorf hier. Wir gehen alle zusammen hin und treffen auf das gesamte versammelte Dorf bei einem Bingoabend. Aber jetzt nicht mit alten Damen und viel Gekicher. Nee, mit Bier und einem GEschrei wie auf der Pferderennbahn: 31, 31, 31!!! Die naechste Zahl ist 3………2, MIST. 31, 31, 31, 31, 31. Die naechste Zahl usw. Ein Mordgeschrei. Zum Glueck hat der Initiator und Barbesitzer ein Mikro. Auch wir haben ein Zettel gewinnen aber nichts, dabei war der Hauptpreis, ne Flasche Wodka. Also ehrlich, alleine waere ich hier nie hergegangen. Die ganzen guten Ratschlaegen in den Wind geschlagen und Mitten ins Getuemmel. Aber um uns herum herrscht gute Stimmung, zwischen Besoffenen, rennen Kinder umher, eine Gruppe huebscher Brasilianerinnen lutscht gelangweilt an Lollis, ein alter zahnloser Mann mit sonnenverbrannter zerkluefteter Haut laechelt still vor sich hin- und ich…werd von einer Gruppe Maenner begafft und von einem besonders dreistem um die Dreissig mit dem Handy fotographiert. Aber erst nachdem sie mir aus Bonbonpapier gebastelte Blumen gebracht haben – als Shírley das mitkriegt dreht sie voll durch: er soll das Loeschen, sonst hetzt sie die Polizei auf ihn, que feio, que bicho, aí que COISA!!! Hóppa, da sind wir lieber nach Hause und haben un seine Telenovela angeschaut: Geschichten mitten aus dem Leben gegriffen, heisst sie. Na mir kommt das eher wie Theater vor. Oder ein Film. Morgen gehts nach Olinda (wie das Haus in Taizé) zu einer Freundin einer Freundin. Eine alte portugiesische Stadt. Entspanntes Seightseeing und noch mehr brasilianische Lebensfreude und vor allem Sonne. Ich geniesse es soooo sehr.

Marias Brasilienbericht #4

Ich wurde gerade in das Buero von dem Pastor gelockt, weil der Typ von der Reiseagentur anrief und fragte, ob wir auch englisch sprechen koennen. Was wir machen? Einen 3stuendigen Ausflug in die tropische Umgebung! Ich freue mich schon dadrauf. Heute sind wir den zweiten Tag hier und es ist sooo heiss. Die Haut ist immer feucht und ich hab immer ein Glas Wasser vorm Schnabel. Eigentlich ist es nicht sehr heiss, aber die Luft ist so feucht. Unser Flug hat gut geklappt. Nur das der Flieger bei einer Zwischenstation wegen schlechter Sicht nicht landen konnte, da sind sie einfach weiter nach Belém geflogen und viele Passagieren, zB. unser Sitznachbar waren erstmal wie vor den Kopf gestossen, als es hiess: der naechste Flieger zurueck geht in 2 Tagen. Bei der Landung haben sie aber erfahren, dass die Sicht wieder freigegeben war und sie sofort zurueckfliegen koennen :D
Als wir nachts um halb 3 hier ankamen war mein erster Eindruck erstmal ein Baum, der auf dem Pakplatz am Flughafen stand auf dem an die 200 Voegel sassen und einen Mordsradau machte: war ne Art Spatzen. Das Pastorenehepaar ist sehr jung und erst seit 2 Jahren verheiratet (aber hier heiraten alle sehr jung). Sie sind sehr nett und haben uns abgeholt. :D Dann war die Batterie aber futsch und das Auto ging nicht zu starten. Das war ein lustiges Bild, wie wir zu dritt und der Pastor drinne, das Auto um 3 Uhr nachts angeschoben haben. Herrlich.. Hier haben wir unser eigenes Zimmer mit einem Ehebett. Das ganze Haus besteht aus dunkelbebeizten Holzbretter. Sieht schoen aus. Und in der Kueche gibt es kein Fenstergals, nur ein Gitter wegen der Hitze! Manchmal regnet es schon rein, meint die Pastorsfrau. Eigentlich sollten wir gestern ja an einem Jugendtreffen der martin lutherischen Gemeinde hier teilnehmen, aber wir wollten lieber die Stadt sehen. Jovianne, eine kleine Frau Ende 30 mit indigenem Aussehen erklaerte sich sofort bereit mitzukommen. Und dann ging es los: ich kann wohl sagen, dass ich an dem einen Tag einen Gesamtueberblick ueber Belém bekommen habe. Jovianne hat uns in ihre Wohnung mitgenommen und verschiedene Fruechte fuer uns gekauft. Azerola (kleine Kirschen), Abacate und etwas wo ich den Namen vergessen habe, was aber lila war und eklig schmeckte. Ihre Wohnung ist aermlich: kein Anstrich von innen, kein Teppich: nur Moebel in deinem Steinhaus und Voerhaenge um die Zimmer abzutrennen. Aber das scheint normal: es sich schoen zu Hause zu machen, darauf legt keiner Wert und darin wird auch nur selten investiert. Investiert wird nur in das eigene Aussehen! Sie und ihre zwei Kinder waren so lieb, sie haben nur Portugiesisch gesprochen. Ganz schnell und viel und dazwischen immer wieder: habt ihr das verstanden, ohne aber das Sprechtempo zu verringern :D Wir waren im Botanischen Garten, um die verruecktesten Pflanzen und Tiere zu sehen, zB. ein Becken voller Krokodile und Schildkroeten aller Sorten und Groessen und ein Teich mit der Viktoria regina…das sind die Riesigen Blaetter, auf denen ein Kind sitzen kann. Aber auch in den Strassen wachsen immer wieder Baume mit schoenen Blueten. So exotisch wie die Natur ist, so bunt sind auch ihre Bewohner. Viel farbige Klamotten werden getragen und die Frauen und Maedchen, ja besonders eigentlich die Kleinkinder sind wie zu einem fetzigen Tanzabend gekleidet: aber ganz normal fuer den Alltag. Suess, verfuehrerisch und auf jeden Fall auffaellig. Belém ist sehr katholisch. es gibt viele riesige Kirchen hier, die mit viel Zuwendung gepfelgt und frequentiert werden. Vielleicht habt ihr schon mal die grossen Umzuege im Fernsehen bestaunt, bei denen Kreuze in grossen Prozessionen durch Strassen getragen werden und alle versuchen diese zu kuessen. Dazu im Gegensatz war gestern doch tatsaechlich ein Umzug. Loveparademaessig zogen die von Sambamusikerfuellten Waegen durch die Strassen und kamen fast nicht durch die bunte feiernde Masse. Las wir ankamen, fuhr gerade in Wagen mit als Fruen verkleidete Maenner an uns vorbei, die Faxen machten: einfach schrill sowas in einer erzkatholischen Stadt zu erleben.
Zur Kroenung des Tages waresn wir am Kai des Rio Guaná. Dort gibt es einen grossen Markt, der Ver o Peso heisst (achte auf das Gewicht). Der war leider zu, aber entlang des Kais konnten wir in einem der vielen Cafés sitzen und Eis aus tropischen Fruechten essen: ich hatte Maracuja und Cucuça, wobei das zweite schrecklich und das erste goettlich schmeckte. So viele Eindruecke musste ich abends erstmal verarbeiten. Lange sass ich mit Katrin bei uns im Zimmer auf der Fensterbank, lauschte Sambamusik, die ohne das irgendwelche Polizei irgendwo einrueckte, lautstark aus drei zwei verschiedenen Hauesern schallte und reflektierte den Tag. Das war der erste Tag auf unser 3 woechigen Reise. Mir gefaellt dieses Land so gut und kann nur empfehlen: fahrt los und schaut es euch an. Mir gefeallt das Lockere, das Froehliche trotz viel Arbeit und Not. Die Fruechte, die Pflanzen, die Farben: Hier ist das Brasilien, wie man es kennt hautnah. Ich bin aber auch froh, dass wir wie Augaepfel gehuetet werden, sowohl die Pastorsfamilie, wie auch Jovianne gestern guckten dreimal auf unsere Sicherheit bevor wir etwas machten oder etwas fotographieren durften. (Das habe ich trotzdem zur genuege gemacht). Heisse Gruesse an euch.

Marias Brasilienbericht #3

Hallo.

Heute bin ich aus Argentinien wiedergekommen. Leider waren die Tage, die wir dort waren ganz verregnet. Es hat nicht nur geregnet, es hat 24 Stunden am Stueck geblitzt und gedonnert. Naja, genug Zeit um die Familie der Kruegers zu besuchen, Matetee zu trinken und Mensch aergere dich nicht zu spielen (não fiquar bravo)…
Es war allerdings herrlich mit Mama und Papa Krueger sowie der kleinen Gabrielli stundenlang durch das brasilianische Land zu fahren. Gabi ist so aufgeweckt, dass sie fast die ganze Zeit ueber singt und einen auf brasilianischen Popstar macht. Nebenbei gab es wunderbare Ausblicke auf Huegel bebauten Landes und Sonnenauf und –untergaenge. Die Kruegers erzaehlen sich ja so gerne Schauergeschichten, wie wer aus der Nachbarschaft oder irgendwo wieder umgekommen ist. Also nach ihren Erzaehlungen wuerde ich Brasilien nie besuchen kommen :D . Schliesslich kamen wir ab den Rio Uruguay, einem rotten breiten Strom, der Argentinien von Brasilien trennt. Hier sind wir fast nicht ueber die Grenze gekommen, weil wir eine Blaukopie vergessen hatten, die wir am Flughafen bekommen hatten. Naja, der Grenzbeamte wollte es sich dann wohl doch nicht mit Deutschland verscherzen (schliesslich haben wir im Fussball gegen Argentinien ja gezeigt, wer der Stearkere ist) und liess uns passieren. Tja Argentinien kann ich folgendermassen zusammenfassen: huebsche Maenner (…keine Angst: nur zum Angucken), Teeplantagen und Forstwirtschaft und wunderbares Fleisch. Das ist es wahr was immer alle sagen: probiert mal argentinisches Rindfleisch, das ist soooo gut. Und ich bin kein grosser Fleischesser. Irgendwann wurde uns das Stadt Land Fluss spielen dann doch zu langweilig und wir sind im stroemenden Regen zum naehergelegenden Tourismuspunkt gefahren: ein Wasserfall, der sich in den gruenen Urwald stuerzte. Hier gibt es noch viel unbeschrittenes Land und Tiere, die noch keiner kennt. Meinte unser Gastgeber Jorge zumindest. Wenn hier jemand einen Baum faellt., so muss er einen neuen pflanzen. Das ist ja mal vernuenftig. Und im Gegensatz zu Brasilien scheinen die Strafen auch so zu sein, dass man die Gesetze befolgt. Es gibt hier soviele interessante Pflanzen, dass ich schon eine kleine Tuete mit allerlei Samen gepackt habe, die ich pflanzen moechte: alles Baeume mit den schoensten Blueten. Muss ich nur noch ueber die Grenze kriegen…hihi!
Heute waren wir nochmal im Kinderheim und haben die Spende abgegeben, die meine Patentante gesammelt hatte. Ein schoenes Suemmchen. Der Pastor hat sich extra Zeit genommen, sich mit uns hingesetzt und ueberlegt, wofuer das Geld im Moment am dringensten gebraucht wird.
Wir kamen auf Unterwaesche fuer die Kids, Baelle fuer Fuss- und Volleyball, ein Volleyballnetz, ein Geraet auf dem Spielplatz und Schulmaterial. Er war richtig gleucklich, dass er Freunde in Deutschland hat, denen das Projekt am Herzen liegt und die es mit unterstuetzen. Er steckt hier viel Arbeit und Liebe rein, er meint : es ist seine Mission.
Heute abend nehmen wir den Bus nach Gramado und am naechsten Tag nehmen wir den Flieger nach Belém. Ich bin etwas traurig, dass die Zeit hier schon vorbei ist. Die Krueger haben sich so riesig gefreut, dasss wir hier waren und deutsche Luft mitgebracht haben. Die beiden Toechter aus Deutschland, jaja… Auch weil sich him Kinderheim alles so verbessert hat, bin ich gerne hier und wuerde auch gerne noch viel mehr Zeit diesen Kindern opfern. Nun fuer dieses Mal wendet sich das Blatt nun dem Reisen zu und wir ziehen unsere Bikinis an: Ich druecke euch und schicke euch ein brasilianisches CHAU QUERIDOS!

Marias Brasilienbericht #2

Sábado, 12 de agosto

Seit Montag bin ich hier in Santo Ângelo. Als Katrin und ich am Busbahnhof ankamen sass dort schon unser Gastvater Mundi. Rauchend, die Beine ueberkreuzt, das gleiche duennen und fleissige Raeuchermaennchen wie vor 2 Jahren. In Popsa, dem Haus meiner Gastfamilie und zugleich das Buero des Kinderheimes Martino Lutero wurden wir fast erdrueckt vor Freude. Zur Begruessung gab es cachorro quente, also Hot Dog und Coca Cola. Das alte amerikanische Essen verleitete mich gleich nach dem Essen zu einem Blick in den Spiegel :D
Gabi, die Enkelin ist viel groesser geworden und ist die Prinzessin der Familie. Sie tanzt und singt den ganzen Tag und ich kennen kein Maedel von 6 Jahren, die so die Hueften schwingen kann!
In den naechsten Tagen trafen wir eine Unmenge Leute, die uns wiedersehen wollten. Es gab ernste Gespraeche mit dem Pastor, weil wir hier eine Stelle fuer Volunteere einrichten wollen und es einiges zu organisieren gibt. Wir haben Verwandte und Bekannte getroffen und jedesmal ging es bei einer Mateteerunde um 2 Sachen: Deutschland und die Kriminalitaet hier. Da ist der erschossen worden. Hast du schon gehoert von der Nachbar ihres Kind, die hat sich erhangen…da ham se den Jair ne Pistole an den Kopf…der uebliche Klatsch und Tratsch! Na ich fuehl mich hier so sicher wie zu Hause, wenn euch das beruhigt. Auf uns wird aufgepasst und man ergoetzt sich halt an den Nachrichten auf der einen Seite und stellt seine eigene Machtlosigkeit und Unschuldheit in den Vordergrund. Heute haben wir eine Familie besucht, die ein Kind aus dem Centro Apoio angenommen haben. Jorginho ist so suess und wir hatten ihn damals schon richtig ins Herz geschlossen. Er ist ein Sonnenschein: kann schon lesen und schreiben mit 7 Jahren, lernt Deutsch und liebt Fussball. Er war so froh uns zu sehen und nahm uns ganz fuer sich in Anspruch. Eigentlich sollte er uns besuchen kommen, aber er hatte zu sehr Angst nach Santo Ângelo zu kommen, da er befuerchtete wieder ins Kinderheim zu muessen. Er liest seiner neuen Mama jeden Wunsch von den Augen ab und sagt: er habe sich immer eine solche Familie wie diese gewuenscht. Echt niedlich und so schoen ein wirklich positiven Lebensweg eines unerwuenschten Indio-Kindes von Trinkern mit zubekommen. Hier bei den Kruegers ist es schon wieder wie damals. Wir sind schon keine Gaeste mehr hier und alles geht seinen Weg, wie es vor 2 Jahren war. Es ist erstaunlich, dass Santo Ângelo so weit weg von Berlin und mir doch so nah sein kann. Es ist traurig zu wissen, dass ich nach der Woche bestimmt ewig nicht mehr herkommen kann!
Ein bisschen mehr brasilianisches Lebensgefuehl haben Katrin und ich, aber auch gestern mitbekommen. Eine Sambaband spielte in einem Club. Und das war schon der Rennner, denn ansonsten gibt es hier nichts Stilvolles wie einen Club mit Atmo und so…nee weisse Plastikstuehle und Bier aus Flaschen sind hier an der Tagesordnung. Auch gingen wir notgedrungen um ueberhaupt auszugehen (und um hauptsaechlich die Leute zu beobachten) das letzte mal immer ins Casusa, einem Tanzclub der Soldaten, die hier stationiert sind und es gab nur schreckliche Paartanzmusik… In dem Club also war die Hoelle los, kaum das die Band anfing tanzte der ganze Laden. Herrlich! Wir lernten sogar eine Brasilianerin kennen, die ausgerechnet Zugang zur VIP Lounge hatte, sodass wir erhoeht das ganze beobachten und ohne erdrueckt zu werden tanzen konnten. Letztendlich wurden wir von ein paar Jungs noch ausgelacht, weil wir so schlecht tanzten. Aí rapaz! Ich tanze halt zur Musik und achte nicht darauf in welche Richtung mein Hintern schwingt. Die Brasilianerinnen kamen uebrigens alle Uniform: hohe Hackensandalen, enge Jeans und weit ausgeschnittene Tops. Dazu lange schwarze Haare stehen sie hueftenschwingend in kleinen kichernden Gruppen herum. Stolz und abwertend allen anderem gegenueber. Naja, ist ja auch ein bisschen doerflich hier, in der Stadt ist das auch freier. Katrin und ich sind mit unseren langen Roecken aber schon EXTREM aufgefallen.
:D Was fuer ein Super- Samba- abend. (*und ich fand, ich hab gut getanzt)
Morgen ist Gottesdienst und alle kommen hier zur Andacht her. 4 Kinder aus dem Heim werden getauft, es gibt Hot Dog fuer alle und alle wollen kommen um mit uns zu erzaehlen…mein Portugiesisch hat leider nicht an der Stelle eingesetzt, wo ich aufgehoert habe zu lernen. Aber ich verstehe viel mehr als das letzte mal…komisch. Auf jeden Fall komme ich durch. Ich gerate jedoch immer wieder in die witzigsten Situationen, in denen ich entweder falsch verstanden werde. (Amigo Nathanael: Willst du was essen? Ich: nein, aber nimm doch Katrin…ich hatte perguntar= fragen und pegar= nehmen verwechselt).
Ich druecke euch und sende euch um monte de beijos (ein Berg Kuesse)
MARIA

Marias Brasilienbericht #1

...
wir sind gut in sao paolo angekommen. 2 stunden nach madrid und dort eine weile gewartet, weil wir verspaetung hatten und 13 stunden sind wir nach sao paulo geflogen. oh man, eigentlich wollten wir gleich weiter nach porto alegre, aber wir haben keinen flug gefunden. also alle waren zu teuer. da haben wir larissas bruder nathanael angerufen (das maedel hab ich doch mal in berlin getroffen) und er hat uns mit dem auto abgeholt. es war nach deutschlandzeit 5 uhr morgens als wir ins bette gegangen sind. hier also 12 uhr mitternacht. ich quael mich noch ein bisschen mit dem portugiesisch, aber man versteht mich auf jeden fall. ich wuerde nur gerne laengere saetze sprechen koennen. wie du siehst hat die tastatur wieder keine umlaute :)
eben waren wir mit nathanaels freundin (ingrid! sie hat eine deutsche oma) einkaufen und machen jetzt einen obstsalat mit leckeren fruechten. hier hat der supermarkt 24 stunden am sonntag auf. alles kommt mir solangsam in erinnerung zurueck. die schiefen strassen, die krassen berge in der stadt. die verschiedenen bauweisen hinter-ueber und nebeneinander. alles ein bisschen dreckig, wie polen aber viel bunter. mir ist auch der vergleich zu nordamerika gleich eingefallen. alle sind supergestylt, viele aber auch dick. und die kinder sehen aus wie kleine erwachsenen. in der kaufhalle stapeln sich die sachen bis zur decke und alles gibt es in 100facher ausfertigung. hm, na auf dem land in santo angelo wird das alles dann ein bisschen anders werden. in 2 stunden geht unser bus und wir werden 19 stunden fahren. schon scheisse, aber was solls dann sind wir da. ich habe auch schon die kruegers angerufen und sie freuen sich. dort regenet es im gegensatz zu hier: 30 grad und sonnenschein und dabei faengt der fruehling offiziell hier erst im september an. ich bin so froh hier zu sein. es ist alles so fremd- vertraut.