Urlaub im Padma River Resort

Tanvir, der Programmchef, lud mich zu einem kleinen Urlaub mit zwei unserer deutschen Künstlerinnen, die gerade in Bangladesch für zwei Projekte zu Besuch waren, ein. Ich hatte Glück und bekam sehr spontan für die zwei Tage frei. Früh ging es mit einem gemieteten Auto, das wir uns zu viert teilten, Richtung Süden (Padma River) los. Natürlich standen wir auch hier wieder im Stau. Langsam erblickten wir grünes Land, große Backsteinfabriken, riesige Reisfelder, Wiesen auf denen bunte Tücher wurden, Frauen, die im Fluss standen und Wäsche wuschen und viele Holzhäuser auf Stelen, damit diese zur Monsunzeit nicht überschwemmt werden.

Wir erreichten ein kleines Dorf an einem Fluss gelegen. Diesen mussten wir, um unsere Unterkunft zu erreichen mit einem kleinen Motorholzboot überqueren. Und dort befand nuuuur unser Resort, eine kleine Anlage aus Holzhütten auf Stelen, von einem bangladeschischen Landschaftsarchitekten errichtet, der „versucht“ hat aus seinem Studium in Amerika in Bangladesch zu übertragen.

Die Hütte bestand aus einem Wohnzimmer mit 1 Bett und einer Matratze, einem Zimmer im 2. Stockwerk, einer Terrasse und einem kleinen Bad ohne Dusche! Oder eher wohlgesagt mit einer bangladeschischen Dusche, d.h. einem kleinen Eimer, den man sich voll Wasser schöpft und links und rechts über die Schulter gibt. Alles sehr einfach aus Holz gehalten, unabgedichtete Ritzen, Ecken und Kanten, aber in absoluter Stille, mitten im Grün und umgeben von SAUBERER Luft, was ich sehr genossen habe.

Wir erhielten Vollverpflegung und hielten uns hauptsächlich am Essenstisch auf, hatten interessante Gespräch und genossen die Sonne auf der Terrasse. Es gab hauptsächlich bengalisches Essen, d.h. frischer Fisch (Hilsa) aus dem Fluss mit einer sehr gut gewürzten Kruste, Reis, Paratha (so eine Mischung aus Fladen und Panecake? um die Saucen aufzuditschen), und fast zu jedem Gericht Shobji dazu. Shobji ist eine Gemüsemix aus Kartoffeln, Mohrrüben und noch andere undefinierbare Sachen, meist sehr gut gewürzt (hauptsächlich mit Gelbwurzel und Green Chili). Gegessen wird in diesem Land immer mit der Hand – besser gesagt nur mit der Rechten. Es ist schon eine Kunst, den Reis mit Dhal mit den Fingern aufzupicken, aber dann auch noch das Brot nur mit rechts abzureißen muss geübt sein.

Ohne Kakerlaken oder sonstige Gevieh, mit Einschlafmusik eines indischen Rituals auf der anderen Flussseite schlummerte ich tief und fest.

Da keine Dusche da war, gingen die eine deutsche Künstlerin und ich die harte Variante an: Flussbaden! – an einem Ort, wo keiner guckte! Warum? Bikini oder Badeanzug wird hier nicht gern gesehen – das ist viel zu freizügig! (siehe Suchmaschine: muslimischer Badeanzug) Frauen baden oft auch mit einem Tuch komplett umwickelt. Der Fluss war relativ sauber, keine Menschenseele in der Frühe, so hopsten wir sind schnell wie der Wind in den Fluss geschwind…

 Während der zwei Tage unternahmen wir ein Dorfbesuch und  zwei große Spaziergänge am Flussufer entlang, was wir wie ein Strandspaziergang vorkam, da der Sand auch feinkörnig war. Auf dem Weg kamen uns viele Träger mit riesigen Körben auf dem Kopf entgegen, die tagsüber das Gras auf dem Feld für ihr Vieh pflücken und dann auf die andere Flussseite in ihr Dorf rüber schiffen. Gut, einen Bangladeschi dabei zu haben. So verdiente sich ein Bootsmann ein wenig Geld, indem er uns wieder den weit gelaufen Weg nach Hause fuhr. Auf unserem zweiten Spaziergang begegneten wir mehreren Frauen, die riesige Wasserkrüge in ihren Armen trugen. Sie luden uns ein, sich ihr Dorf anzuschauen. Auf dem Weg dorthin begleitete uns eine große Traube von Kindern und Frauen (die Männer waren noch auf dem Feld – es ist selten, dass man die Frauen antrifft). Als wir in deren „Dorf“ ankamen, wurden wir neugierig von allen bestaunt und wir machten gemeinsam ein Gruppenfoto. Man lud sich gegenseitig ein, jedoch antworte schließlich eine Frau: „Ja, wir können uns gegenseitig einladen, aber im Endeffekt wissen wir doch alle, dass dies nicht zu realisieren ist.“  Traurig so etwas zu hören, aber wohl war…

Während die zwei deutschen Künstler noch zwei Tage länger die Natur genießten, rief uns das Büro. In dunkler Nacht kehrten wir auf abenteuerliche Weise mit zuerst mit einem CNG zum nächst größeren Ort, einem lokalen Überlandbus in die Alstadt Dhakas, einem lokalen Bus in unseren Bezirk und einer Rikscha vor meine Haustür zurück in die Großstadt (und das wohlgemerkt für ganze 2€ pro Person insgesamt). Ohne jemanden, der Bangla spricht wäre ich verloren gewesen, wahrscheinlich 4 h später angekommen und hätte 10€ mehr bezahlt.

Mehr Bilder unter: https://picasaweb.google.com/pepperann20/PadmaRiverResort?authkey=Gv1sRgCLbTw8zzr9iDfg

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