Monthly Archives: Februar 2012

International Mother language Day – Internationaler Tag der Muttersprache

Gestern, der 21. Februar, war ein Feiertag. Der Internationale Tag der Muttersprache. Ich habe zum ersten Mal  von diesem Tag gehört. Dies ist ein von der UNESCO ausgerufener Gedenktag zur „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“. Hintergrund ist, dass fast die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht sind. Denn viele Sprachen geraten in Vergessenheit und werden nicht mehr an nachfolgende Generationen weitergegeben. Der 21. Februar ist dazu da, um zu zeigen, dass man den “Minderheitssprachen” Aufmerksamkeit schenkt. Ursprung hat dies in Pakistan (1952) als Urdu in Ostpakistan (das heutige Bangladesch) zur Amtssprache ernannt wurde. Dies war eines der Unterdrückungsprobleme Ostpakistans. Man hat vorher hier nur Bangla gesprochen. Nur 3% sprachen Urdu. Warum die Sprache verändern wollen? Bei Protesten am 21. Februar kamen einige Demonstranten ums Leben.

Traditionell werden jedes Jahr vor das Shaheed Minar, das Martyr Monument, tausende von Blumen gelegt. Als Geheimtipp gab man uns, dass ein großes Programm in der Nacht zum 21. Februar stattfinden wird. Um 22 Uhr machten wir uns (eine Gruppe von Deutschen, die ich hier kennengelernt habe) auf den Weg, mussten aber leider bis Mitternacht auf den Einlass warten, da die Premierministerin zuerst die Blumen ans Denkmal legen durfte. Die Zeit verging schnell mit süßem bengalischen Tee, Kondensmilch und emotionalen, bangladeschischen Gitarrengesang im Park. Um 24 Uhr schoben wir uns mit tausend anderen stolzen, patriotischen Bangladeschis zum Monument. Kurz vor dem Prozess des Blumeablegens mussten die Schuhe ausgezogen werden. Würdevoll legte ich, im Schwindel vom leichten Käsegestank, meinen kleinen Strauß auf einen Berg Blumen nieder, worauf alle Journalisten drum herum anfingen zu applaudieren. Kaum wurde eine Gruppe „Weißer“ entdeckt, umzingelten uns auch schon rasch TV, Kameras und Mikrophone. Nach Kommentaren wie „How do you feel at this moment?“ und noch schlaueren Antworten „I felt really great”, entzogen wir uns aus der Masse in Richtung “Nach Hause”.

Vom Trubel noch nicht genug gehabt, besuchte ich das Denkmal bei Tageslicht ein zweites Mal. Nachdem alle Bangladeschis schon ab 5.10 Uhr morgens ihre Blumen dorthin gebracht hatten, konnte ich in aller Ruhe das nun vollendete Blumenmeer bestaunen.

Heute wird der Frühlingsbeginn gefeiert

Heute wird der Frühlingsbeginn gefeiert

Ich weiß, dass das keine gute Nachricht für die Frierenden in Deutschland sein wird. Aber heute wird hier der Frühlingsanfang gefeiert. Fast alle haben irgendwas Gelbes, Oranges, Rotes oder Grünes an.Viele Frauen, hübsch geschminkt und mit Saris spazieren den kleinen See am Ende meiner Straße entlang. Sogar einige Männer tragen festliche Kleidung. Nur ich hatte heute was blau-graues an. Wie unpassend! 

Der See hat ein offenes Amphitheater, an dem ich nach der Arbeit vorbei schlenderte, wo eine Reihe von hinduistischen Musikern ein kulturelles Programm vom Besten gaben.

H&M Check – Ab der 30 Min. wird’s spannend!

Ich bin an den Fabriken letzten Donnerstagabend mit dem Bus vorbeigefahren. Eine Reihe von Textil- und anderen Fabriken nebeneinander. Viele Frauen standen an den Straßenrändern und strömten von der Arbeit nach Hause, mit einer Thermoskanne Tee in der Hand und einen Ausweis für die Fabrik um den Hals.

Urlaub im Padma River Resort

Tanvir, der Programmchef, lud mich zu einem kleinen Urlaub mit zwei unserer deutschen Künstlerinnen, die gerade in Bangladesch für zwei Projekte zu Besuch waren, ein. Ich hatte Glück und bekam sehr spontan für die zwei Tage frei. Früh ging es mit einem gemieteten Auto, das wir uns zu viert teilten, Richtung Süden (Padma River) los. Natürlich standen wir auch hier wieder im Stau. Langsam erblickten wir grünes Land, große Backsteinfabriken, riesige Reisfelder, Wiesen auf denen bunte Tücher wurden, Frauen, die im Fluss standen und Wäsche wuschen und viele Holzhäuser auf Stelen, damit diese zur Monsunzeit nicht überschwemmt werden.

Wir erreichten ein kleines Dorf an einem Fluss gelegen. Diesen mussten wir, um unsere Unterkunft zu erreichen mit einem kleinen Motorholzboot überqueren. Und dort befand nuuuur unser Resort, eine kleine Anlage aus Holzhütten auf Stelen, von einem bangladeschischen Landschaftsarchitekten errichtet, der „versucht“ hat aus seinem Studium in Amerika in Bangladesch zu übertragen.

Die Hütte bestand aus einem Wohnzimmer mit 1 Bett und einer Matratze, einem Zimmer im 2. Stockwerk, einer Terrasse und einem kleinen Bad ohne Dusche! Oder eher wohlgesagt mit einer bangladeschischen Dusche, d.h. einem kleinen Eimer, den man sich voll Wasser schöpft und links und rechts über die Schulter gibt. Alles sehr einfach aus Holz gehalten, unabgedichtete Ritzen, Ecken und Kanten, aber in absoluter Stille, mitten im Grün und umgeben von SAUBERER Luft, was ich sehr genossen habe.

Wir erhielten Vollverpflegung und hielten uns hauptsächlich am Essenstisch auf, hatten interessante Gespräch und genossen die Sonne auf der Terrasse. Es gab hauptsächlich bengalisches Essen, d.h. frischer Fisch (Hilsa) aus dem Fluss mit einer sehr gut gewürzten Kruste, Reis, Paratha (so eine Mischung aus Fladen und Panecake? um die Saucen aufzuditschen), und fast zu jedem Gericht Shobji dazu. Shobji ist eine Gemüsemix aus Kartoffeln, Mohrrüben und noch andere undefinierbare Sachen, meist sehr gut gewürzt (hauptsächlich mit Gelbwurzel und Green Chili). Gegessen wird in diesem Land immer mit der Hand – besser gesagt nur mit der Rechten. Es ist schon eine Kunst, den Reis mit Dhal mit den Fingern aufzupicken, aber dann auch noch das Brot nur mit rechts abzureißen muss geübt sein.

Ohne Kakerlaken oder sonstige Gevieh, mit Einschlafmusik eines indischen Rituals auf der anderen Flussseite schlummerte ich tief und fest.

Da keine Dusche da war, gingen die eine deutsche Künstlerin und ich die harte Variante an: Flussbaden! – an einem Ort, wo keiner guckte! Warum? Bikini oder Badeanzug wird hier nicht gern gesehen – das ist viel zu freizügig! (siehe Suchmaschine: muslimischer Badeanzug) Frauen baden oft auch mit einem Tuch komplett umwickelt. Der Fluss war relativ sauber, keine Menschenseele in der Frühe, so hopsten wir sind schnell wie der Wind in den Fluss geschwind…

 Während der zwei Tage unternahmen wir ein Dorfbesuch und  zwei große Spaziergänge am Flussufer entlang, was wir wie ein Strandspaziergang vorkam, da der Sand auch feinkörnig war. Auf dem Weg kamen uns viele Träger mit riesigen Körben auf dem Kopf entgegen, die tagsüber das Gras auf dem Feld für ihr Vieh pflücken und dann auf die andere Flussseite in ihr Dorf rüber schiffen. Gut, einen Bangladeschi dabei zu haben. So verdiente sich ein Bootsmann ein wenig Geld, indem er uns wieder den weit gelaufen Weg nach Hause fuhr. Auf unserem zweiten Spaziergang begegneten wir mehreren Frauen, die riesige Wasserkrüge in ihren Armen trugen. Sie luden uns ein, sich ihr Dorf anzuschauen. Auf dem Weg dorthin begleitete uns eine große Traube von Kindern und Frauen (die Männer waren noch auf dem Feld – es ist selten, dass man die Frauen antrifft). Als wir in deren „Dorf“ ankamen, wurden wir neugierig von allen bestaunt und wir machten gemeinsam ein Gruppenfoto. Man lud sich gegenseitig ein, jedoch antworte schließlich eine Frau: „Ja, wir können uns gegenseitig einladen, aber im Endeffekt wissen wir doch alle, dass dies nicht zu realisieren ist.“  Traurig so etwas zu hören, aber wohl war…

Während die zwei deutschen Künstler noch zwei Tage länger die Natur genießten, rief uns das Büro. In dunkler Nacht kehrten wir auf abenteuerliche Weise mit zuerst mit einem CNG zum nächst größeren Ort, einem lokalen Überlandbus in die Alstadt Dhakas, einem lokalen Bus in unseren Bezirk und einer Rikscha vor meine Haustür zurück in die Großstadt (und das wohlgemerkt für ganze 2€ pro Person insgesamt). Ohne jemanden, der Bangla spricht wäre ich verloren gewesen, wahrscheinlich 4 h später angekommen und hätte 10€ mehr bezahlt.

Mehr Bilder unter: https://picasaweb.google.com/pepperann20/PadmaRiverResort?authkey=Gv1sRgCLbTw8zzr9iDfg

Sonargaon and Panam City

Ein Wochenendausflug! Gemeinsam mit Ziad, einem Deutschlehrer des Instituts in unserem Alter, seiner Freundin und der anderen Praktikantin sind wir nach Sonargaon gefahren. Die erste Hauptstadt Bangladeshs liegt ca. 1 h von Dhaka entfernt. Mit dem Auto und Ziads Fahrer (viele haben ihren eigenen Fahrer hier) fuhren wir raus aus der Stadt. Dhaka schien kein Ende zu nehmen. Ewige Staus, Häuserreihen und kein grünes Land. Nachdem wir es endlich auf den Highway geschafft hatten, erreichten wie das kleine Dorf Sonargaon.

Wir besuchten das „Lok Shilpa Jadughar“ (Folk Arts Museum), das sich in einem kleinen, langsam zerfallenen Palast, umgeben von einem großen Park befindet. Üblich ist, dass die Einwohner Bangladeschs weniger bezahlen als wir Touristen. Bangladeschis 10 Taka, Touristen 100. Vom Museum konnte man hier nicht wirklich sprechen, wenn man hinter einer Vitrine einige verstaubte Waffen, Körbe etc. findet, die mit „Waffe“, „Korb“ betitelt werden. Mir wurde erzählt, dass einige Gegenstände nicht mal aus alten Zeiten bestehen, sondern an diesem Ort nachgefertigt werden.
Nach einem kleinen Spaziergang durch den Park und den Genuss der frischen Luft auf dem Land, fuhren wir zum Nachbarort, Panam City, der im 13 Jh. errichtet wurde. Eine lange Straße mit alten Häusern. Hier sollen reiche Inder gelebt haben, die nach dem Unabhängigkeitskrieg 1971 die Häuser verließen. 
Wie eine Geisterstadt – Türen und Fenster waren zugemauert, alles schien leer – zumindest wenn man durch die Straße lief. Schaute man sich aber die Rückseite der Häuser an, so konnte man sehen, dass hier auch noch Menschen in den fast zerfallenen Gebäuden leben. Diese werden von der Regierung unterstützt und dürfen sogar offiziell dort wohnen, da sie auf der anderen Flussseite des Dorfes neue Residenzen bauen. Leider sehr traurig mit anzusehen, denn, wenn die neuen Häuser fertig sind, werden die historischen Gebäude immer mehr zu Ruinen und in Vergessenheit raten. Die Regierung kümmert sich nicht wirklich drum, dieses kulturelle Erbe zu erhalten. Einer der Bewohner zeigte uns (für ein bisschen Geld) zwei Häuser von innen. Die Architektur ist echt faszinierend. Getöntes Fensterglas zwischen verschnörkelten Eisenrahmen und viele Mosaikverzierungen, was mich sehr an Portugal erinnerte.

Highlight des Tages war, der Fahrversuch auf einer Rikscha. Gar nicht so einfach dieses Gefährt mit einer Person im Wagen zu lenken!

Mehr Bilder zu diesem Trip: https://picasaweb.google.com/pepperann20/SonargaonAndPanamCity?authuser=0&authkey=Gv1sRgCLKo0dj2583Z2wE&feat=directlink