Olinda – Wie schön!
So heisst der Ort, an dem ich jetzt bin. Ich wohne bei der Familie von Carolina, einer Brasilianerin, die ich in Hamburg kennengelernt habe. Sie wohnen in dem schönsten Haus der Stadt. Es ist weiss gekalkt. Die Türen und Fenster sind blau gestrichen und der ganze Fussboden besteht aus alten portugiesisch gemusterten Fliesen. Überall gibt es kleine gemütliche Ecken mit Krams von Indiokulturen und Indien. (nicht verwechseln, zweite hat die Mutter nämlich mal bereist). Das meiste hat auch Carolinas Mama gesammelt. Sie arbeitet mit Kulturen, die am Aussterben sind. Wie interessant! Sie hat sich besonders auf die Kultur des Maracatú spezialisiert, da die Eltern ihres Mannes noch von dieser Kultur abstammen. Sie sammelt Lieder, versucht Riten zu verstehen und fördert Feste und überhaupt die Kultur des Maracatú. Sie ist mit dieser Arbeit nicht alleine. Es ist hier sozusagen Trend unter den Künstlern, sich mit ihren Wurzeln zu beschäftigen. Bands musizieren mit altertümlichen Instrumenten und singen über ihre Geschichte. Der Maracatú ist die Kultur der Stämme auf den Zuckerrohrplantagen in Bahia. Eine schon vermischte Kultur: Hier arbeiteten Schwarze und indigene gefangene Gruppen zusammen. Sie hielten zusammen wie Familien, denn ihre eigenen waren oft auseinander gerissen worden. Hier entstand auch der Capoeiratanz, der ursprünglich zur Verteiligung gelernt wurde. Maracatú bezeichnet die Zeit des Karnevals, eine Ausnahmezeit des Rausches und der Feier. An den Tagen ziehen die ernannten Guerreiros (Krieger) der “Familie” aus, um in Kostümen und mit viel Musik eine Runde um die Plantagen zu drehen. Wenn sie dabei auf andere Krieger treffen kommt es zu einem gespielten Kampf, der aber mehr als Spiel gemeint ist. Heute war ich mit Katrin in Olinda, dem alten Dorfkern der Stadt. Hier sind alle Häuser bunt und es gibt unglaublich viele Ateliers. Die meisten Bilder zeigen die Farben des Karnevals, der bunten Häuserfassaden und die schönen Mädchen der Stadt. Man muss sich daran gewöhnen, dass man an jeder Strassenecke mit Oh linda! (Hey Schöne!) angesprochen wird, dass ist hier der Running Gag…ich kauf es ihnen einfach nicht ab, wo sie doch soviele schöne Brasilianerinnen haben, dass sie bei einem dunkelblonden Haar sich zu solchen Äusserungen hinreissen lassen
. Es ist, als ob die ganze Kultur Brasiliens sich hierher verkrochen hat. Sonst haben wir immer viel Mainstream und alles immer ganz praktisch eingerichtet gesehen. Aber nie etwas schönes, was verträumtes, was künstlerisches. Hier dagegen ist VON ALLEDEM DREIMAL SOVIEL!
Wir trafen schliesslich in Olinda auf eine Maracatúgruppe, oder besser gesagt eine Faschingsgruppe, die das nachgespielt hat. Alle trugen weite rot-grüne Kleidung aus Samt und einfachen Stoffen, verziert mit Goldbrokaten. Es gab ein König und eine Königin, sowie eine Trommlergruppe, die Krieger darstellten. Einer sang vor und schon befanden wir uns mitten in dem farbigsten Treiben: dam dam damm, zazazazazaza- echt super. Macht supergute Laune. Sie zogen die Strasse entlang, vorbei an Strassenverkäufern die Ketten aus Samen und Perlen, Taschen, Wasser, Coca Cola, gehäkelte Tischdecken, Ledersandalen, Armbänder, Olinda in Miniaturformat, Bilder und vieles mehr lauthals verkauften. Ich mag den Trubel sehr…ich mag nur nicht das angesprochene Subjekt sein, das kaufen soll
.
Olinda ist wieder ein Ort, in den ich mich verliebt habe. Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen einen Eindruck von der Stadt auf dem Hügel vermitteln. Da liegt sie nämlich, wenn man ganz oben bei der Kathedrale steht, dann kann man die ganze Stadt wunderschön überblicken und dahinter das türkisfarbene Meer.