Marias Brasilienbericht #5

Ich bin in Natal. Das bedeutet Weihnachten. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn man am Eingang der Stadt den drei heiligen Koenigen und dem Stern von Bethlehem begegnet. Natal ist die Touristenstadt. Allerdings weniger der auslaendischen Touristen, nee, die sind alle in Rio. Hierher kommen die Brasilianer, um sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Es gibt ja so traumhaft schoene Straende hier. Wie man sich Brasilien so vorstellt, so ist es hier. Und noch schoener.
Meine beiden schoensten Erlebnisse hier:
Tauchen.
Mit der Touristenagentur Brasil-Verde kommt man zum Strand von Macarajú. Von dem etwa 40jaehrigen Guide gefuehrt, der sich einfach nur Gaúcho nennt, kommt man hier an einen Strand an dem es nur hellen feinen Sand gibt und Cocospalmen. Die Luft ist ganz salzig und die brennende Sonne spuehre ich gar nicht, weil der Wind so stark weht. Wir steigen in ein Motorboot und fahren mit ueber 80kmH zu einer Plattform im Meer. Ein Mordsvergnuegen, dasss ihr unbedingt mal ausprobieren muesst: die Wellen heben das Boot an und lassen es mit einem Platsch wieder fallen, so dass alle nass warden. Das kribbelt im Bauch! Ein kleines Maedel auf dem Boot meinte verwundert: Mama es regnet. Wir warden mit Taucherbrillen und Schnorcheln versehen. Es herrscht reges Treiben auf der Plattform, auf der sich ungefaehr 10 dunkelhaeutige Tauchlehrer und 40 Touristen befinden samt Kindern. Ich suche mir schnell eine Treppenstufe und ein paar kraeftige Zuege spaeter ist es still um mich. Ich setze meine Taucherbrille auf und versuche durch den Schnorchel zu atmen..was erstmal in einem Hustenanfall endet: Salzwasser aergs!
Ich schaue unter Wasser und staune: unter mir befindet sich ein riesiges rotes Korallenriff aus. Das Wasser ist ungefaehr 6 m tief, ein Meer aus weissen Sand liegt unter mir. Dann tauchen sie auf, die Fische. Erst ein Tigerentenfisch, gelb Schwarz gestreift. Dann grosse Blaue, welche die die Farbe ihrer Umgebung angenommen haben: durchsichtig, rot wie das Riff und beige wie der Sandboden. Ploetzlich fahre ich erschrocken zusammen (nein, kein Hai), ein Taucher mit Flasche taucht vor meinen Augen auf und formt mit Daumen und Zeigefinger ein O fuer OK. Dann verschwindet er. Der schoenste Fisch war wohl ein schwarzer mit kleinen weissen Punkten und gelben Flossen. Ganz begeistert und voellig verfroren klettere ich auf die Plattform zurueck. Kaum habe ich mich in mein Handtuch gewickelt stuerzt ein Tauchlehrer auf mich zu und labert mich zu: ob ich mit Flasche tauchen wolle. Ich weiss genau, dass der Spass nochmal 30 Euro kostet und lehne dankend ab. Er belabert mich weiter, dass wir uns doch gerade unter Wasser getroffen haetten und ich doch so toll tauch koennte…ach so, na dann, denke ich mir und hoere gar nicht zu…bis ich mitbekomme, was er von mir will. Es wuerde ihm eine Freue machen mit mir eine Runde zu tauchen, quasi um mir eine Freude zu machen. WAS!! Ich mit Flasche, aber nie gemacht, Angst. Ich will nicht, da fragt er mich nach meinem Namen. Ich nenne ihn, er schaut mich an und sagt: Los Maria, trau dich! Ein zaghaftes Nicken spaeter habe ich Taucherflossen an den Fuessen, eine Sauerstoff(f)lasche auf dem Ruecken und einem Schnorchel im Mund. Langsam atmen blaeute er mir ein, sonst verschluckst du dich. Ahhh. Was soll ich sagen? Ich musste mich nur mit dem Atmen beschaeftigen, er fuehrte mich und meinen Blick. Ein Schwarm blauen Fische kam auf uns zu. Wahnsinn. Zum Schluss knieten wir uns unter Wasser auf den Boden und machten Lockbewegungen mit den Haenden und im Nu waren wir von Tausend kleinen gelben Fische umschwaermt die wohl dachten es waere Fuetterung. Sie stupsten an meine Haende und umschwirrten uns so, dass das ganze Wasser in Bewegung war. Puh. Danach sass ich auf dem Deck und merkte erst beim Zweiten Rufen, dass es zurueck gehen sollt. Ich schwebte vor Glueck.
Chaipirinha.
Mit dem Bus bis Tapatinga, dann bis zum Kreisverkehr, die Strasse zum Strand runter das dritte Haus rechts…da wohnt Shírley. Eine 40jaehrige Brasilianerin mit ihrer Mutter und ihrer Schwester. Aber nur zum Wochenende, denn es ist ihr Ferienhaus am Strand. Ich werd richtig neidisch, als ich am Strand stehe und beobachte wie die Wellen sich an den vorgelagerten Steinriffen brechen. Hier ein Haeuschen haben, ohhh.
Auf dem Hof ihres Hauses angekommen und die Badeklamotten zum trocknen aufgehangen bekommen wir eine eisgekuehlte Cerveja (Bier) in die Hand gedrueckt. Neben uns befinden sich hier noch 5 Maedels in unserem Alter und 5 Jungs allen Alters. Das ist mein Cousin, Nichte, Onkel, Kumpel, Arbeitskollege…alle sind braungebrannt, wenn das bei der dunklen Haut noch geht. Alle wirken so, als wuerden sie viel feiern und wissen wo das Leben abgeht. Einer traegt ein Armband aus Krokodilhaut: Klar ist es verboten sie zu toeten, meint er auf eine Nachfrage hin, aber hey, das sieht doch keiner. Hier hinten im Sumpf gibt es auch welche. Auf meinen erschrockenen Blick hin meint er belustigt: die kommen aber nicht auf die Terrasse. Na wie beruhigend. Dem Hof angeschlossen befindet sich ein grossen Sumpf mit vielen unbekannten Planzen, umringt ist er von dutzenden Cocospalmen: WOAH. Das Armband bekomme ich fuer ein Foto geliehen, ein Zahn von dem Aligator ist auch dran. Geschossen hat er ihn aber nicht selber. Pah, zugetraut haette ich es dem Mittvierziger, der eine grossen verspiegelte Sonnenbrille traegt und jetzt um die Mittagszeit mindestens schon 3 kurze Pitú und reichlich Bier getrunken hat. Es wird ein lustiger Nachmittag. Ich stele meine Chaipimachkuenste unter Beweis und zur Belohnung zeigt einer der Jugendlichen, wie er auf die naechstgelegene Cocospalme mit blossen Fuessen klettert. Wer´s nicht glaubt, ich hab´s gefilmt !!! Abends tanzen wir Forró im Garten oder versuchen es zumindest, dieser verdammte Rhythmus und meine deutschen Hueften wollen sich nicht vertragen. Shírley will mit uns unbedingt noch Hot Dog (Cachorro quente) essen gehen. Es ist dunkel und es gibt nur eine Saufbude in dem Dorf hier. Wir gehen alle zusammen hin und treffen auf das gesamte versammelte Dorf bei einem Bingoabend. Aber jetzt nicht mit alten Damen und viel Gekicher. Nee, mit Bier und einem GEschrei wie auf der Pferderennbahn: 31, 31, 31!!! Die naechste Zahl ist 3………2, MIST. 31, 31, 31, 31, 31. Die naechste Zahl usw. Ein Mordgeschrei. Zum Glueck hat der Initiator und Barbesitzer ein Mikro. Auch wir haben ein Zettel gewinnen aber nichts, dabei war der Hauptpreis, ne Flasche Wodka. Also ehrlich, alleine waere ich hier nie hergegangen. Die ganzen guten Ratschlaegen in den Wind geschlagen und Mitten ins Getuemmel. Aber um uns herum herrscht gute Stimmung, zwischen Besoffenen, rennen Kinder umher, eine Gruppe huebscher Brasilianerinnen lutscht gelangweilt an Lollis, ein alter zahnloser Mann mit sonnenverbrannter zerkluefteter Haut laechelt still vor sich hin- und ich…werd von einer Gruppe Maenner begafft und von einem besonders dreistem um die Dreissig mit dem Handy fotographiert. Aber erst nachdem sie mir aus Bonbonpapier gebastelte Blumen gebracht haben – als Shírley das mitkriegt dreht sie voll durch: er soll das Loeschen, sonst hetzt sie die Polizei auf ihn, que feio, que bicho, aí que COISA!!! Hóppa, da sind wir lieber nach Hause und haben un seine Telenovela angeschaut: Geschichten mitten aus dem Leben gegriffen, heisst sie. Na mir kommt das eher wie Theater vor. Oder ein Film. Morgen gehts nach Olinda (wie das Haus in Taizé) zu einer Freundin einer Freundin. Eine alte portugiesische Stadt. Entspanntes Seightseeing und noch mehr brasilianische Lebensfreude und vor allem Sonne. Ich geniesse es soooo sehr.

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