Marias Brasilienbericht #2

Sábado, 12 de agosto

Seit Montag bin ich hier in Santo Ângelo. Als Katrin und ich am Busbahnhof ankamen sass dort schon unser Gastvater Mundi. Rauchend, die Beine ueberkreuzt, das gleiche duennen und fleissige Raeuchermaennchen wie vor 2 Jahren. In Popsa, dem Haus meiner Gastfamilie und zugleich das Buero des Kinderheimes Martino Lutero wurden wir fast erdrueckt vor Freude. Zur Begruessung gab es cachorro quente, also Hot Dog und Coca Cola. Das alte amerikanische Essen verleitete mich gleich nach dem Essen zu einem Blick in den Spiegel :D
Gabi, die Enkelin ist viel groesser geworden und ist die Prinzessin der Familie. Sie tanzt und singt den ganzen Tag und ich kennen kein Maedel von 6 Jahren, die so die Hueften schwingen kann!
In den naechsten Tagen trafen wir eine Unmenge Leute, die uns wiedersehen wollten. Es gab ernste Gespraeche mit dem Pastor, weil wir hier eine Stelle fuer Volunteere einrichten wollen und es einiges zu organisieren gibt. Wir haben Verwandte und Bekannte getroffen und jedesmal ging es bei einer Mateteerunde um 2 Sachen: Deutschland und die Kriminalitaet hier. Da ist der erschossen worden. Hast du schon gehoert von der Nachbar ihres Kind, die hat sich erhangen…da ham se den Jair ne Pistole an den Kopf…der uebliche Klatsch und Tratsch! Na ich fuehl mich hier so sicher wie zu Hause, wenn euch das beruhigt. Auf uns wird aufgepasst und man ergoetzt sich halt an den Nachrichten auf der einen Seite und stellt seine eigene Machtlosigkeit und Unschuldheit in den Vordergrund. Heute haben wir eine Familie besucht, die ein Kind aus dem Centro Apoio angenommen haben. Jorginho ist so suess und wir hatten ihn damals schon richtig ins Herz geschlossen. Er ist ein Sonnenschein: kann schon lesen und schreiben mit 7 Jahren, lernt Deutsch und liebt Fussball. Er war so froh uns zu sehen und nahm uns ganz fuer sich in Anspruch. Eigentlich sollte er uns besuchen kommen, aber er hatte zu sehr Angst nach Santo Ângelo zu kommen, da er befuerchtete wieder ins Kinderheim zu muessen. Er liest seiner neuen Mama jeden Wunsch von den Augen ab und sagt: er habe sich immer eine solche Familie wie diese gewuenscht. Echt niedlich und so schoen ein wirklich positiven Lebensweg eines unerwuenschten Indio-Kindes von Trinkern mit zubekommen. Hier bei den Kruegers ist es schon wieder wie damals. Wir sind schon keine Gaeste mehr hier und alles geht seinen Weg, wie es vor 2 Jahren war. Es ist erstaunlich, dass Santo Ângelo so weit weg von Berlin und mir doch so nah sein kann. Es ist traurig zu wissen, dass ich nach der Woche bestimmt ewig nicht mehr herkommen kann!
Ein bisschen mehr brasilianisches Lebensgefuehl haben Katrin und ich, aber auch gestern mitbekommen. Eine Sambaband spielte in einem Club. Und das war schon der Rennner, denn ansonsten gibt es hier nichts Stilvolles wie einen Club mit Atmo und so…nee weisse Plastikstuehle und Bier aus Flaschen sind hier an der Tagesordnung. Auch gingen wir notgedrungen um ueberhaupt auszugehen (und um hauptsaechlich die Leute zu beobachten) das letzte mal immer ins Casusa, einem Tanzclub der Soldaten, die hier stationiert sind und es gab nur schreckliche Paartanzmusik… In dem Club also war die Hoelle los, kaum das die Band anfing tanzte der ganze Laden. Herrlich! Wir lernten sogar eine Brasilianerin kennen, die ausgerechnet Zugang zur VIP Lounge hatte, sodass wir erhoeht das ganze beobachten und ohne erdrueckt zu werden tanzen konnten. Letztendlich wurden wir von ein paar Jungs noch ausgelacht, weil wir so schlecht tanzten. Aí rapaz! Ich tanze halt zur Musik und achte nicht darauf in welche Richtung mein Hintern schwingt. Die Brasilianerinnen kamen uebrigens alle Uniform: hohe Hackensandalen, enge Jeans und weit ausgeschnittene Tops. Dazu lange schwarze Haare stehen sie hueftenschwingend in kleinen kichernden Gruppen herum. Stolz und abwertend allen anderem gegenueber. Naja, ist ja auch ein bisschen doerflich hier, in der Stadt ist das auch freier. Katrin und ich sind mit unseren langen Roecken aber schon EXTREM aufgefallen.
:D Was fuer ein Super- Samba- abend. (*und ich fand, ich hab gut getanzt)
Morgen ist Gottesdienst und alle kommen hier zur Andacht her. 4 Kinder aus dem Heim werden getauft, es gibt Hot Dog fuer alle und alle wollen kommen um mit uns zu erzaehlen…mein Portugiesisch hat leider nicht an der Stelle eingesetzt, wo ich aufgehoert habe zu lernen. Aber ich verstehe viel mehr als das letzte mal…komisch. Auf jeden Fall komme ich durch. Ich gerate jedoch immer wieder in die witzigsten Situationen, in denen ich entweder falsch verstanden werde. (Amigo Nathanael: Willst du was essen? Ich: nein, aber nimm doch Katrin…ich hatte perguntar= fragen und pegar= nehmen verwechselt).
Ich druecke euch und sende euch um monte de beijos (ein Berg Kuesse)
MARIA

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